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Leserbrief zu "Schräge Unterhaltung" (Nordsee-Zeitung, 20.10.95, Seite 7)

Bremerhaven, 20.10.95

"Comedy verdrängt kopflastiges Kabarett": Für wen der Kopf eine Last ist (denn er ist nutzlos und hohl - wozu ihn füllen?), für den sorgen die Einschaltquotenfetischisten. Sie sorgen gut, denn je weniger man denkt, desto mehr kauft man. Um auch jede Unklarheit zu vermeiden, wird Gelächter eingeblendet, damit man weiß, wann man zu lachen hat. Das nennt man Comedy. Früher hieß es Pawlow'scher Reflex. Und daran sollte man denken, denn nicht nur der Hund will Fleisch, auch der Mensch will etwas zu essen, braucht etwas zu essen - auch geistig. Und wenn er das nicht bekommt, wenn die geistigen Vitamine fehlen, dann mutiert er, dann verkommt er, dann wird er zum Tier, kommt das Elend. Und ganz zum Schluß, da wird es Fernsehen: Ach, was haben wir gelacht! Wie der Mann die Melonen auf die Bühne haut! Und wie das alles die Bühne vollpatscht. Ach, was haben wir gelacht! Und wie der Mann sich auf das Glas legt. Ach, was haben wir gelacht. Und dann hat der Mann geblutet. Ach was haben wir gelacht.

Warum eigentlich?

Kam doch im Fernsehen.

Ach so. Ja. Ach, was haben wir gelacht...

Armes Deutschland

Zur Erinnerung: Die Szene kam tatsächlich im Fernsehen, als Comedy...

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