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Leserbrief

Bremerhaven, 9.1.96

Zur Lage der Situation

Satire ist eine schwere Sache. Man kann sie wohl schreiben und man kann sie wohl verstehen. Das schwerste an Satire jedoch ist, sie gedruckt zu bekommen, schwerer noch: sie richtig gedruckt zu bekommen. Hin und wieder fallen Worte weg, sogar ganze Sätze unterliegen im Kampf mit der redaktionellen Zensur.

Natürlich freut man sich, wenn die eigenen Werke gedruckt werden. Kann man aber das, was man liest, kaum wiedererkennen, ist die Freude getrübt. Satiriker sind daher immer traurige Menschen. Finden sie etwas gedruckt, das nicht so arg beschnippelt wurde, steigt das Barometer. Wenn ein Werk sogar nochmals gedruckt wird, dann kommt Verwunderung - erst recht, wenn es weniger gekürzt wurde als beim ersten Druck. Das kann der Autor gar nicht so recht glauben. "Bestimmt ist es ein Versehen." denkt er sich. Sind in der Zeitung aber ein paar Seiten später 2 ganze Artikel, die sich ganz sanft mit dem beschäftigen, worüber man geschrieben hat, stellt sich Vergnügtheit ein: "Getrennt schreiben, vereint sagen..."

Satire ist eben doch das mächtigere Schwert.

Armes Deutschland

e-Mail: sfb@ariplex.com

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