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Leserbrief zur medizinischen Versorgung

Bremerhaven, 13.1.96

Kaum ist man beim Arzt im Sprechzimmer - schon ist man wieder draußen. Ruckzuck, am Fließband, im 5-Minuten-Takt. Manchmal hat man Glück, dann beschäftigt er sich länger mit Unsereinem - dann ist er neugierig oder noch unerfahren oder das Problem muß ummfangreicher angegangen werden, erfordert mehr Tests oder andere Untersuchungen, die alle einzeln berechnet werden dürfen. Ist das aber nicht der Fall: Siehe oben! Natürlich sind auch die Ärzte mitschuld an dieser Misere, aber nur zum Teil, denn die Krankenkassen zahlen nur sehr geringe Beträge pro Handlung. Das bedeutet zB für einen Zahnarzt, daß er eine Füllung in höchstens 7 Minuten machen darf, obwohl er mindestens 30 Minuten braucht. Da wartet er dann vielleicht lieber auf eine Brücke oder anderes, das viel deutlicher in seinem Portemonnaie sichtbar wird.

Für die Patienten heißt dies: Entweder sie sind in 5 Minuten zu diagnostizieren und zu kurieren, oder aber sie fallen durch das medikale Netz. Früher nannte man die Beseitigung "unwerten Lebens" ganz ungeniert Euthanasie. Es ist nur die Frage, wieviel denn so ein Mensch wert ist - ist er uns heute nur noch 5 Minuten wert!?

Und was ist morgen? Sind es dann nur noch 4 Minuten...?

Armes Deutschland

Zur Information: Es gibt in der Ärzteschaft durchaus eine sehr ernste Diskussion über "wertes" und "unwertes" Leben, denn die Ärzte stehen vor der Frage, wem sie mit ihren eingeschränkten Mitteln helfen sollen und wem nicht. Dieses "wem nicht" bedeutet aber grauenhaftes Siechtum und oft genug auch den Tod für die Betroffenen. Es ist aber nicht nur die Beschränktheit der Mittel, sondern auch - und vor allem - die Beschränktheit der Ärzte an diesen Dingen schuld!

e-Mail: sfb@ariplex.com

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