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Leserbrief zum Vortrag des Herrn Gödde über das Fehrmoor (20.9.95, Volkshochschule)

Bremerhaven, 20.9.95

Der gut besuchte Vortrag fand fast ausschließlich unter Fachpublikum statt, d.h, die Betroffenen waren versammelt, dazu auch wohl 1 oder 2 Naturschützer. Beste Voraussetzungen also, die angerührten Süppchen weiterzukochen. Während der "Interessenverein" (einiger Grundbesitzer) daran arbeitet, seine Grundstücke zu verkaufen (60 DM pro Quadratmeter, um die Zahl eines der Herren zu zitieren) und immer wieder (Verkaufs-)Verhandlungen anbietet - erklärt Herr Gödde, wie schädlich es doch doch sei, wenn Kot in ein Moor gerate ("wenn da jemand ins Moor macht...") und daß der Moorboden Jahrhunderte, gar -tausende brauche, um sich wieder davon zu erholen.

Da kommt die Anmerkung eines radikalen Naturschützers, daß im Moor Tausende von LKW-Ladungen stark gedüngter Erde über weite Flächen verteilt sind (seit Kriegsende, aus dem zerbombten Bremerhaven - und stellenweise wohl über 1/2 m dick!), und daß damit der Boden derart ruiniert sei, daß er ausgebaggert werden müsse. "Nein, ausbaggern nicht!" So weit will Gödde denn doch nicht gehen: Ihm reicht es, den Boden "zu vernässen". Daß er dabei die wissenschaftliche Grundlage der Moorpflanzenbiologie, die er vorher so großartig deklamiert hatte, vollkommen über den Haufen wirft, stört ihn nicht. Daß er durch die Vernässung den existenten Bewuchs (ganz bewußt!) zerstört - und daß diese Handlung Schadensersatzansprüche in beträchtlicher Höhe zur Folge hat, übersieht er ebenfalls, will es übersehen, versucht, sich mit rhetorischen Flappsereien aus der Bredouille zu manovrieren. Da fragt man sich beklommen "Warum tut jemand etwas, von dem er selbst weiß, daß es widersinnig ist?" Die Lösung ist simpel: Die Naturschutzgesetze schreiben für jede neue industrielle Nutzung eine entsprechende Naturschutzmaßnahme "im entsprechenden Gebiet" vor. Wir erinnern uns an das berüchtigte "Planschbecken für Möwen", von dem jeder, sogar das Umweltschutzamt, wußte, welch Schwachsinn es war. Herr Göddes Idee ist nun ein "Pool", bei dem für mehrere im Stadtgebiet verteilte industrielle Flächen ein (!) Schutzgebiet (an ganz anderer Stelle!) genommen wird.

Dies geht allerdings nur dann, wenn die Stadt im Besitz der gesamten Fläche des Fehrmoors ist - was auf eine Enteignung der bisherigen Eigentümer herausläft... Verkauf unter Wert, zu einem lächerlich geringen Bruchteil des üblichen Preises Bremerhavener Grundstücke... Oder aber es wird nicht gekauft, sondern einfach fremder Grund und Boden "vernäßt", das heißt für jede sinnvolle Nutzung vernichtet, der bisherige Pflanzenbewuchs vernichtet - über die Köpfe der Betroffenen hinweg.... Wer trägt die Entschädigungskosten??? Doch nicht etwa die Stadt, die sich schon bisher vehement sträubt und lediglich unverschämt niedrige Preise bietet...!? Ein neuer Krieg gegen die Eigentümer - auf dem "kalten" Verwaltungsweg.

Naturschutz als Tarnung, um EU-Gesetze und deutsche Gesetze zu umgehen...? Bemerkenswert!

Armes Deutschland

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