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Leserbrief zu "Verrutschte Maßstäbe", siehe SZ, 29.4.95, Seite 11

Ein Mann, der einem Verlag beweist, daß es besser ist, ein schon gedrucktes Buch wieder einzustampfen als dieses Lesern in die Hand zu geben, das ist schon ein mächtiger Mann. Hut ab! Das kann nicht jeder. Mit diesen "Eckdaten" habe ich mich an die Lektüre des "offenen Briefes" an John Sack gemacht und Dinge gefunden, die einer Klärung dringend bedürfen.

So heißt es, man würde jenen, die "neben NS-Verbrechen das Wort einerseits schrieben und dann noch ein andererseits hinzufügen...", Munition liefern. Das mag wohl so sein. Man kann nämlich auf dieser Welt nichts sagen, ohne daß nicht irgendjemand auf ein "andererseits" käme.

Allein aus eben diesem "andererseits" kann man aber doch kein Buch unter den Tisch kehren! Es gibt genug Leute, die heute immer noch von Hitlers Autobahn schwärmen. Wenn die einen dieser Art gestorben sind, so wachsen genug davon nach...

Wenn es (nicht nur im Krieg) Menschen gab, denen ihre Rache gegen ihre Peiniger gelungen ist, warum denn nicht!? Hut ab!

Herr Bedürftig fordert "wissenschaftliche Kommentare und Beantwortung von Zuschauerfragen", schreibt wörtlich "Ihr Buch wird ohne solche Hilfen auf die Menschen losgelassen, Menschen, die vom Pressewirbel angelockt sein mögen und nur die angebliche Sensation konsumieren wollen, Menschen, die es nicht gelernt haben, mit Anmerkungen und mit dem... dokumentarischen Apparat umzugehen."

Mein lieber Herr Bedürftig, es mag ja sein, daß die meisten Menschen dumm sind. Aber Sie werden uns doch wohl nicht glauben machen wollen, daß man diesen Zustand mit "wissenschaftlichen Kommentaren..." etc. wird ändern können? Unwissenheit und Dummheit sind zweierlei - und wer unwissend ist, der kann sich die Fakten besorgen. Und wer nur den Film ("Holocaust" oder "Schindlers Liste" sehen will, der tut dies auch - und zappt auf den nächsten Kanal, wenn eine dieser "wissenschaftlichen" Orgien kommt, denn - und darüber dürften wir uns wohl einig sein ! - es gibt nichts Schlimmeres im Fernsehen als die sogenannten "Expertenrunden", wo geballte geistige Impotenz stundenlang nichts anderes tut als sich selbst zu beweihräuchern !

Es mag ja Gründe geben, das Buch nicht zu drucken. Nur würde ich diese gerne lesen - und es müßten denn auch gute Gründe sein. Im übrigen finde ich es geradezu pervers, wenn Buchleser oder Filmzuschauer als so unmündig behandelt werden, daß man ihnen Material ohne "Hilfestellung" vorenthalten will, wenn als Argument kommt, daß sie mit dem "dokumentarischen Apparat" nicht zurechtkämen. Derlei Dinge liegen, bitteschön, noch immer in der Entscheidung des Lesers oder Zuschauers !

Ich will hier ganz gewiß keine Lanze für das Buch von Sack brechen - aber ich wehre mich ganz entschieden gegen eine Bevormundung im Stile eines Friedemann Bedürftig !

Mit freundlichem Gruß

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anonym

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