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Skeptic's Dictionary
 

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Avatar

Ein Avatar ist eine Variation oder Version einer fortexistierenden grundlegenden Wesenheit, etwa die menschliche Verkörperung eines göttlichen Wesens. Avatar ist auch der Name eines New-Age-Selbsthilfeprogramms, das darauf basiert, das Leben der Menschen dadurch zu ändern, das man sie darin schult, mit ihren religiösen Überzeugungen zu arbeiten. Wenn wir Jack Raso glauben wollen, ist "Avatars fundamentale Lehre, dass Menschen die natürliche Gabe haben, jede beliebige Realität durch einen Willensakt zu erschaffen oder zu 'ent-schaffen'. Diese angebliche Begabung entstammt einem hypothetischen Teil des Bewusstseins, von seinen Vertretern "QUELLE" genannt.

Dem Werbematerial zufolge

    ruft Avatar eine natürliche Begabung in Ihnen wach, die Sie bereits haben: Erschaffung und Ent-schaffung von Glauben. Mit dieser Fähigkeit können Sie Ihr Leben gemäß dem Bauplan neu gestalten, den Sie selber entwerfen. Eine Entdeckung, die viele Menschen im Avatar-Training machen, ist, dass es weniger eine Rolle spielt, was man glaubt, als vielmehr, dass man überhaupt glaubt. Avatar versetzt Sie in die Lage, zu erkennen, dass es keinen "guten" und "schlechten" Glauben gibt. Es gibt lediglich Glaubensarten, die Sie erfahren möchten, und solche, die Sie lieber nicht erfahren wollen. Durch Einsatz der Werkzeuge, die der Kurs Ihnen demonstriert, erschaffen Sie eine Erfahrung von sich selber als Quelle oder Erschaffer Ihres Glaubens. Von da an ist es sehr einfach und natürlich, den Glauben zu erschaffen, die Sie bevorzugen.

Diese Ideen scheinen so offensichtlich eine Mischung aus wahr, trivial und falsch zu sein, dass man zögert, sie zu kommentieren. Natürlich haben wir alle die Fähigkeit, Glauben zu erzeugen oder zu beenden. Ich kann zum Beispiel an Avatar oder an Engel glauben oder nicht. Natürlich kann ich mein Leben dadurch neu strukturieren, dass ich mir eine Reihe von Glaubenssätzen bastele, die auf meiner Fantasie und meinen Wünschen basieren. Aber warum sollte ich das tun, solange meine aktuellen Glaubensarten nicht falsch oder schädlich sind, also "schlecht"? Was bedeutet es zum Beispiel, zu sagen, dass Züge weniger wichtig sind als der Umstand, dass ich an Züge glaube? Diese Behauptung ist entweder trivial wahr oder unsinnig. Bedeutet sie, dass die Existenz von Zügen weniger wichtig ist als die Frage, ob ich an sie glaube oder nicht? Dann ist diese Aussage absurd. Wenn sie jedoch sagen will, dass ich, wenn ich nicht an Züge glaube, niemals versuchen werde, einen Zug zu besteigen, dann ist sie überaus trivial.

Zum Schluss: Wenn es keine guten oder schlechten Glaubensarten gibt, woher stammt dann der Glaube der Avatar-Vertreter, dass ihr Training irgendeinen Wert hat? Und macht es einen Unterschied, ob irgendjemand an Avatar-Glaubenstechniken glaubt?

Anmerkung des Übersetzers:

Anmerkung des Übersetzers:

Auf Avatar im deutschen Sprachraum bin ich durch einen Leserkommentar gestoßen worden – die dort empfohlene Avatar-Homepage habe ich gelesen, und es hat sich insofern gelohnt, als dass ich hier einige Aspekte des Avatar-Programms ansprechen kann, ohne dass die Leser dafür schwer verständliche englische Texte verdauen müssen.

Avatar befasst sich der Site „Meisterwerk" zufolge mit der Erforschung des eigenen Bewusstseins (insbesondere des „Überzeugungssystems") und praktischen Anleitungen („Werkzeugen") zur Veränderung des Lebens durch Veränderung des Bewusstseins. Dabei liegt der Schwerpunkt offenbar auf direkter sinnlicher Erfahrung im Gegensatz zum intellektuellen Lernprozess. Diese Art von sinnlicher Erfahrung dürfte auch der Avatar-Erfinder Harry Palmer gemacht haben, als er in einem Reizentzugstank offenbar eine Eingebung hatte, aus der dann Avatar entstand.

Ähnlich wie beim Neurolinguistischen Programmieren (NLP) wimmelt es bei Avatar von ™ und ®, was ja ganz in Ordnung ist, wenn man wirklich ein sensationelles Verfahren entdeckt hat, mit dem sich die Tore zum Bewusstsein aufschließen lassen.

Unglücklicherweise lässt sich das von Palmers New-Age-Psychologie nicht sagen, die alle Anzeichen einer typischen Esoterik-Geldmaschine aufweist. Auf eine unbestimmte Art geht man bei Avatar offenbar davon aus, dass wir alle unsere Wirklichkeit selbst erschaffen, eine Idee, die innerhalb der Esoterik nicht gerade originell ist, ebensowenig wie die Vorstellung, das Bewusstsein biete „unbegrenzte Möglichkeiten". Es nimmt einen nicht wunder, auch von „aussersinnlicher Wahrnehmung" zu lesen, und es wird fleißig „kreiert" und „diskreiert" (Neologismus; nicht mit „diskreditiert" verwechseln, obwohl sich dieser Vergleich schmerzhaft aufdrängt). Verdächtig nahe am NLP scheint mir das „Programmieren" zu sein, das ebenfalls eine Rolle spielt.

Wenn man alles richtig macht, kommt man seinem „nicht-materiellen, geistigen Wesen" näher, das einem hilft, sich mit dem „kollektiven Bewusstsein" zu verbinden, das ebenso wie die „Synchronizität" an C.G. Jung erinnert, von dessen versponnenen Ideen die Esoterikmacher heute noch profitieren (ich frage mich, ob seine Erben noch Tantiemen bekommen – vermutlich hätte er es Synchronizität ® nennen sollen).

Einige der „Übungen" lassen aufhorchen, vor allem, wenn man sie mit „fremden Lebensformen" durchführen kann (auch mit kleinen pelzigen Tierchen von Alpha Centauri?), oder wenn bei ihnen das „Denken zum Stillstand kommt" – vermutlich der ideale Zustand zur Avatar-Rezeption.

Wendet man sich schließlich der Avatar-Firma „Star's Edge" zu, so erfährt man, dass das Ziel der Organisation ist, eine „erleuchtete planetarische Zivilisation" zu erschaffen. Das Geld nehmen wir nur so nebenbei mit: DM 2.300,- für einen 2-4tägigen Kurs über die „Prinzipien des Diskreierens", US-$ 3.000 für 9 Tage „Erwachen", und sage und schreibe US-$ 7.500, wenn man endlich die „aussersinnlichen Fähigkeiten" erwerben will; durchläuft man alle angebotenen Stufen, dann hat man am Ende zwar die Möglichkeit, „Führerschaft in der Zivilisation" auszuüben (wieso will mir diese Wortwahl nicht gefallen?), aber man hat auch umgerechnet mehr als DM 33.000,- auf den Tisch von Harry Palmer und seinen Horden von eilig zertifizierten „Meistern" geblättert. Die übliche New-Age-Pyramidenstruktur ist offensichtlich: Lasse dich ausnehmen und erwerbe dabei ein „Diplom", mit dem du andere ausnehmen kannst (siehe etwa Reiki).

Die esoterische Psychoszene bietet zahllose Gerichte an, die nett aussehen, auf den ersten Biss recht gut schmecken und leider überhaupt keinen Nährwert haben, aber bei denen jedes Menü einen Haufen Geld kostet. Avatar ist insofern ein Phänomen, als dass die Gerichte hier nicht einmal nett aussehen oder recht gut schmecken – gäbe es in der häufig doch ziemlich bunten Eso-Szene einen Preis für die effizienteste Verbreitung von Langeweile, Avatar käme sicher in die Finalrunde. Man vergleiche einmal den Charme des Maharishi Mahesh Yogi mit dem drögen Harry Palmer, die eindrucksvoll um „Wissenschaftlichkeit" bemühten Verfahren des NLP mit ihrer unglaublich banalen Avatar-Version und den psychedelischen Reiz der ASC mit der anosmotischen Avatar-Bewusstseinsveränderung, und man sieht, dass Avatar gröblich gegen das elfte Gebot des New Age verstößt: Du mögest jedweden Unsinn behaupten, aber unterhaltsam muss er sein. Hut ab vor den Gurus und Sektengründern, die sich zumindest Mühe geben, eine gewisse kreative Eigenleistung zu erbringen – Avatar besteht ausschließlich aus fleißig gesammelten Versatzstücken.

Leserkommentar

 

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