Archive for the ‘Medienmafia’ Category

In der Küche des Verfassungsrichters

Thursday, August 2nd, 2012

Ein Journalist wurde eine der Zutaten.

Gretchenfrage: zurück zu den Anfängen der BILD?

Friday, June 22nd, 2012

Entscheidend für die Arbeit der Journalisten ist die Apperzeption der – wie auch immer – zahlenden Endverbraucher.

Zurück zum Mentalambiente der Mumins und Teletubbies?:

“22. Juni 2012:
Bildungsbericht veröffentlicht
Jeder Fünfte kann kaum lesen”

http://www.stern.de/politik/deutschland/bildungsbericht-veroeffentlicht-jeder-fuenfte-kann-kaum-lesen-1844609.html

Schmelzt die Schreibmaschinen ein. Nach Blei wird auch der Stahlstift obsolet.

Willkommen zurück in der Welt der Enten und Federn…

“The Sober Witness”

Thursday, June 14th, 2012

Als ich ins Internet kam, fiel mir seinerzeit “The Sober Witness” von Jason Moore auf

http://www.brokenpencilarchive.tuesdayafternoon.net/view.php?id=227

,ein sehr trockener und nüchterner Beobachter. Im Web-Archive beginnt er bei 1996:


http://web.archive.org/web/19961229014556/http://www.sober.com/

Jason Moore hat sich auf Design verlegt und ist dann an eine Uni in Dänemark gegangen. Die Domain sober.com hat er anscheinend verkauft.

Durch “The Sober Witness” ist Jason Moore, nicht nur meiner Meinung nach, eine Web-Legende.

Heute nun schreibt Steffen Meier (Ulmer Verlag) einige interessante Dinge und – wie ich auf den ersten Blick meine – nüchterne Betrachtungen. So schreibt er:

[*quote*]
——————————————————–
Mich persönlich verwundert dabei die, ich sags mal direkt, Hochnäsigkeit
vieler Verlagskollegen den Zielgruppenbloggern da draussen gegenüber.
Vielleicht sind diese Blogs nicht so durchgestylt wie unsere Website,
vielleicht schauen nicht fünf Lektoren über die einzelnen Artikel. Aber
viele davon erreichen mit ihrer Fachkenntniss und ehrlichen Kommunikation
heute schon deutlich höhere Reichweiten als unsere heißgeliebten sterilen,
binnenblickorientierten Web-Auftritte. Das sollte einem vielleicht zu
denken geben, etwas Demut im Umgang beibringen – und den Weg zu wichtigen
Multiplikatoren öffnen.
——————————————————–
[*/quote*]

In dem neuen Artikel sind embedded links, daher bitte das Original lesen:
http://www.akeplog.de/social-media-verlag-setup-steffen-meier-ulmer/

Nachdem immer mehr Zeitungen Blogs ihrer Mitarbeiter haben, könnte man da nicht sagen, die Zeitungen würden von innen heraus umgekrempelt auf das gleiche, was in der Umgebung (im WWW) schon vorhanden ist? Haben die Mitarbeiter-Blogs eventuell schon höhere Reichweiten als die regulären Artikel?

Werden Zeitungs-Blogs – de fakto – Einzelunternehmen, räumlich und finanziell verwaltet von einem Verlag?

Eine Zeitung verkauft ein Materialpaket. Das Netz bricht dieses wieder auf in einzelne Items, von Artikeln bis Video-Clips.

Ist ein Verlag eine Markthalle, in der einzelne Kleinstunternehmer ihre Waren anbieten, einschließlich Gauklern und Animateuren?

Stehen diese Verlage in Konkurrenz zu (Web-)Warenhäusern, die ebenfalls ein gemischtes Sortiment haben?

Warum fällt mir dabei DocCheck ein, eine Werbeagentur für Pharma- und Medizinprodukteunternehmen, die bezahlte Artikel kostenlos ins WWW stellt…? Wobei DocCheck es sogar geschafft hat, sich mit dem “password service” in die Funktion eines Zugangskontrolleurs bei anderen Web-Sites zu hieven.

Herr Jedertweet bei 120 Dezibel Schweigen

Monday, May 7th, 2012

Wir leben in einer Zeit, in der Alle die gleichlaute Stimme haben, der kleine Zwitschervogel auf dem Baum genauso wie der mit 150.000-Euro Jahresgehalt betankte Superprof mit Dutzenden Leibeigener. Das Netz macht es möglich. Das ist nicht erst seit heute so, das ist schon seit gut 30 Jahren so, aber erst jetzt, durch die immer einfacher zu nutzenden (Maschinen)-Skripte und durch die Möglichkeit, sich nahezu gratis und ungestört ein eigenes Online-Reich zu schaffen, ist Herr Jedertweet in der Lage, 24 Stunden am Tag in voller Lautstärke zu pfeifen, zu flöten, zu flirten, zu brüllen … und zu schweigen.

Nur, wenn er schweigt, hört ihm auch keiner zu.

Die bisherigen Machthaber der Worte- und Bilderhoheit – die Presse, die Radiosender und die Fernsehstationen, und die vielen, vielen Buch- und Zeitschriftenverleger – wer hört ihnen noch zu? Und vor allem: wer bezahlt sie? Ein kompletter Verlag, gutsituiert, honorig, fest wie ein Fels in der Brandung – Herr Jedertweet kann es nicht nur mit ihm aufnehmen, er läßt ihn im Grundrauschen untergehen. Herr Jedertweet bemerkt es nicht einmal…

… outet Stalker im Netz

Wednesday, April 25th, 2012

Ariane Friedrich outet Stalker im Netz:

*** http://www.facebook.com/pages/Ariane-Friedrich/147222666604
*** http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kommentar/1738796/
*** http://www.arianefriedrich.de/

Es gibt auch andere Stalker, wie ich gerade amüsiert feststellen darf. Ein besonders übles Exemplar, das unter anderem

*** http://promedwatch.blogspot.de/

betreibt, ist dabei an die Falschen geraten:

*** http://kidmed.org/1062/homoopathie/homoopathen-besinnen-sich-auf-alte-traditionen-claus-fritzsche-curt-kosters-und-die-nazis/

Jener Kriminelle, der bei YouTube die Stalk-Videos hochgeladen hat,

*** http://www.youtube.com/user/PeterrHantsen

gibt oben in seinem Profil freimütig diese Domain an:

==> http://zioncrimefactory.com

zu sehen siehe oben rechts im Profile.Diese Domain ist ebenso wie andere verknüpft mit einem Mike Delaney,

*** http://groups.google.com/group/apfn/msg/9e71d4d92cc6c497?dmode=source&output=gplain

auf den auch andere Domains wie

*** http://www.prothink.org
*** http://www.theholohoax.com

registriert sind

Die Verbindungen der Mietmäuler und Stalker zur extrem rechten Szene sind kein bißchen erstaunlich; die Naturheilmafia hat dicke Freunde und Förderer tief im braunen Sumpf – und zu einem nicht unbeträchtlichen Teil ist sie der braune Sumpf.

Ich schäme mich für Meedia

Friday, September 9th, 2011

Meedia schreibt am 9.9.2011:

http://meedia.de/internet/was-assange-ueber-sich-selbst-enthuellt/2011/09/09.html

Zitat:

[*quote*]
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Als er am Ende gefragt wird, ob er sich selbst als ideologische Leitfigur versteht, sagt er: “Das ist ein Privileg, das uns als Folge unseres Kampfes verliehen wurde.” Interessant ist dabei, dass er “uns” sagt. Will er seine Wikileaks-Mitstreiter ganz selbstlos mit einbeziehen oder rutscht ihm da ein Pluralis Majestatis heraus? Man kann es sich aussuchen.
———————————————
[*/quote*]

Was sich die Redaktion von Meedia da erlaubt, ist eine unglaublich dreiste Frechheit. Soll jetzt etwa Jedem, der einer Gruppe angehört und von “uns” spricht, untergeschoben werden, er spräche im Pluralis Majestatis?

Wer so schreibt, schafft sich als Journalist selbst ab.

Die Menschen können lesen. Sie können sehen, was Wikileaks erreicht hat. Die Menschen können selbst sehen, was Julian Assange, der Wikileaks gegründet hat, mit seiner Arbeit erreicht hat.

Wikileaks hat sich mit den Mächtigsten angelegt. Wikileaks hat eine Wende in der Politik bewirkt. Das alles mit billigsten Angriffen auf Assange plattmachen zu wollen, ist eine Verhöhnung aller Menschen, die hinter Wikileaks stehen, und es ist eine Verhöhnung der Leser.

Ich schäme mich für Meedia.

Analphabetisierung und Vampirismus der deutschen Medien

Tuesday, September 6th, 2011

“Deutsche Presse nicht kritisch genug”, sagt Julian Assange, schreibt Meedia:

[*quote*]
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“Deutsche Presse nicht kritisch genug”

Wikileaks-Gründer Julian Assange hat in einem Interview seine Organisation verteidigt. Für ein Datenleck, das vergangene Woche publik wurde und das zur Veröffentlichung von Klarnamen von Informanten führte, sei die britische Zeitung Guardian verantwortlich. Die Gefahr, dass aufgrund des Datenlecks Personen gefährdet seien, schätze er als gering ein. Ausgeschlossen sei eine Gefährdung aber nicht. Assange lehnt aber jegliche Verantwortung ab. Die deutsche Presse sei “nicht kritisch genug”.
————————————————————–
[*/quote*]

Quelle:
http://meedia.de/internet/assange-deutsche-presse-nicht-kritisch-genug/2011/09/06.html

Ein kritischer Begriff (“Medienpartner”) folgt weniger Zeilen später:

[*quote*]
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Es sei weiter wichtig für Wikileaks, mit Medien zu kooperieren, sagte Assange. Doch die, inklusive deutscher Medien und vor allem inklusive des Spiegel, seien zu unkritisch gewesen. Ein Artikel im Spiegel von dieser Woche stelle die Sachlage falsch da. Mit Ausnahme des Guardian und der New York Times unterhalte Wikileaks aber weiter Kooperationen mit über 50 Medienpartnern.
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[*/quote*]

Zu diesem Begriff – und zur Lage überhaupt – entgleitet der Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, siehe den “Nachtrag 12.40 Uhr” in der gleichen Quelle:

[*quote*]
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Nachtrag, 12.40 Uhr: Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron hat auf dem Internationalen Medienkongress in Berlin die Entscheidung von Wikileaks, die US-Depeschen ebenfalls unbearbeitet und mit Klarnamen von Informanten zu veröffentlichen, scharf kritisiert. Beim Spiegel sei man “verwirrt und erschüttert”, dass die Dokumente unbearbeitet ins Netz gestellt worden seien. Das Material habe sich zwar schon zuvor “verselbstständigt”, aber mit dem Selbstverständnis des Spiegel sei das Vorgehen von Assange, den Blumencron “unberechenbar” nannte, nicht zu vereinbaren. Informanten beispielsweise in Diktaturen seien nun gezwungen, zu flüchten. “Wir haben das nicht begriffen”, sagte Blumencron. Das Wort “Medienpartner” sei ihm als Beschreibung des Verhältnisses zwischen Spiegel und Wikileaks “zu nah”. Ausgeschlossen sei eine weitere Zusammenarbeit aber nicht.
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[*/quote*]

#”Wir haben das nicht begriffen”, sagte Blumencron.#

Wie bitte!? Das ist ja nur noch peinlich.

Wenn durch den “Journalisten” des Guardian das Paßwort ÖFFENTLICH verraten wurde, ist für die Geheimdienste und andere interessierte Gruppen die Sache doch längst aufgeflogen und die Informanten müssen sich, falls ihnen bei Enttarnung tatsächlich Gefahr droht, sofort absetzen. Das Auffliegen ist schon in der Sekunde geschehen, in der das Buch veröffentlicht wurde.

Nachdem der “Journalist” des Guardian den Verrat begangen hat, war die Veröffentlichung des gesamten Materials zwingend notwendig; die Geheimdienste hatten es doch schon. Aber jetzt mußte Wikileaks an die Öffentlichkeit mit ALLEM. Denn vor allem durch die Öffentlichkeit werden jetzt die Informanten möglicherweise mitgeschützt, denn jetzt weiß die Öffentlichkeit, wer die Informanten sind, so daß es nicht mehr so leicht sein wird, die Informanten verschwinden zu lassen.

Öffentlichkeit ist ein notwendiger Schutz, das sollte man sich beim Spiegel hinter das Blatt schreiben.

Das Wort “Medienpartner”, das “sei ihm als Beschreibung des Verhältnisses zwischen Spiegel und Wikileaks ‘zu nah'”, sagt Blumencron laut Meedia. Das dürfte vermutlich zutreffen, denn die geübte Praxis vieler Medien ist ja, Informanten auszusaugen, die sind Lebendfutter – von einer Partnerschaft kann bei solchem Vampirismus in der Tat keine Rede sein.

Wann ist eine Frau kein Mensch mehr?

Friday, September 2nd, 2011

Vor mehreren Jahren gab es eine Revolution in einer deutschen Stadt: alle Amtstitel wurden in der weiblichen Form verzwangt. Der männliche Bürgermeisterin war davon ebenso betroffen wie alle anderen gewählten und ungewählten Amtspersonen und Angestellten der Stadt.

Blick zurück im Zorn.

Im Krankenhaus. 50-er Jahre? 60-er Jahre? Egal. Irgendwann. Der Zorn des Gerechten, er erbost sich in seiner Not, allein gelassen zu sein: “Wo ist der Arzt!? Wo ist der Arzt!? Ich will endlich einen Arzt!” Der Arzt steht neben ihm. Es ist eine Frau. Er aber akzeptiert keine FRAU. Er will einen MANN.

Eine Frau als Arzt? Undenkbar!

Glücklicherweise hat diese Idiotie ein Ende bekommen. Erreicht oder gar passiert hat sie dieses Ende nicht.

Idioten gibt es auch auf der Gegenseite, in der Form der “Political Correctness”, bei der es an einem Wort immer ein “Innen” gibt. So findet sich beim Lesen eines Werbeprospekts für eine Kreuzfahrt auch ein Hinweis auf “Bullauge/innen”. Aha, der Bullauge. Wir wissen Bescheid. Und was ist, neben Steward/innen, der Job eines Bullauge/innen? Verrückt? Nein, sondern realer Gedankenunfall, vor mehreren Jahren in Deutschland passiert und mit Verschwörermiene und verschmitztem Gesicht weitererzählt.

Der Zwang zum Geschlechtsfetischismus und Geschlechtsfaschismus nimmt immer bizarrere Formen an. Eine Frau als Arzt? Undenkbar! Aber noch schlimmer: ein Mann als Krankenschwester. Nicht einmal “Krankenbruder” als Berufsbezeichnung wurde akzeptiert, es wurde ein neuer Begriff kreiert: der “Krankenpfleger”.

Ewiggestrige, könnte man meinen: unfähig für auch nur einen Funken Hirnleistung, eingefroren in ihrem Sprachnazi-Betonbunkerschädel – irgendwo zwischen 80 und scheintot. Aber der Naziismus gebiert ständig neue Ungeheuer, hirnlos, brutal, menschenverachtend.

Wann wird das Wort “Mensch” nicht mehr für Frauen gelten? Wann wird es “Menschin” heißen müssen? Das ist keine leere Frage, wie das Beispiel “Student” zeigt. Jetzt, im Jahr 2011.

http://info-parkour.de/hamburg-haw-studenten-magazin-pressefreiheit-zensur-asta.html

[*quote*]
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Das unabhängige Studenten-Magazin der HAW Hamburg
Stellungnahme: Unsere Meinung ist nicht käuflich

Das unabhängige Online-Studenten-Magazin der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, info-parkour.de, stellt seinen Betrieb bis auf Weiteres ein.

Wie kommt’s?

Wie ihr vielleicht wisst, wurde info-parkour und seine Redakteure seit Februar 2010 durch den AStA der HAW finanziert.

Im Sommer 2011 stand eine Verlängerung dieser Finanzierung an, die der AStA neben legitimen Forderungen wie Nachhaltigkeit u.ä. allerdings auch von Formulierungsstandards abhängig machen wollte. Diesen Formulierungen konnte info-parkour nicht zustimmen.

Und was sind das für Formulierungen?

Das Magazin verwendet seit Gründung 2008 für die Mehrzahl von Studenten und Studentinnen das Wort “Studenten”. Mit dieser Formulierung verstößt info-parkour neuerdings gegen den AStA-Satzungs-Punkt “Geschlechtergerechtigkeit”. Der AStA beschuldigt info-parkour also der Geschlechter-Diskriminierung.

Für eine erneute Finanzierung wären die Redakteure von info-parkour dazu gezwungen, in allen veröffentlichten Artikeln die Formulierung “Studierende” zu verwenden, da diese laut einer Studie angeblich als geschlechtsneutral angesehen wird.

Und jetzt macht ihr wegen dieses Wortes so viel Wind?

Uns geht es bei dieser Diskussion nicht um das Wort “Studenten” an sich. Vielmehr geht es darum, dass info-parkour zum Start der Finanzierung 2010 redaktionelle Unabhängigkeit zugesprochen bekam, mit der der AStA info-parkour in der Öffentlichkeit beworben hat.

Diese redaktionelle Freiheit, die in der geltenden deutschen Pressefreiheit verankert ist, würde info-parkour in diesem Falle durch den AStA verwehrt.

Warum schreibt ihr nicht einfach, wie der AStA will, und ihr bekommt dafür weiterhin das Geld?

Darüber haben wir uns natürlich auch Gedanken gemacht. Nur würde die Redaktion unter diesen Umständen gegen ihre ausdrückliche Überzeugung handeln und nicht mehr unabhängig entscheiden. Wir würden uns also kaufen lassen.

Die ausdrückliche Überzeugung liegt darin, dass Studien nicht darüber entscheiden können, welche Worte im deutschen Sprachgebrauch erlaubt sind und welche verboten sind. Darüber entscheidet der Gesetzgeber und nicht irgendein AStA.

Als journalistisches Projekt bezieht sich info-parkour daher bei Formulierungsstandards auf deutschsprachige journalistische Institutionen wie Frankfurter Allgemeine Zeitung, Der Spiegel, Süddeutsche Zeitung, Die Zeit oder Neue Zürcher Zeitung.

Aber die HAW und das STUDIERENDENwerk schreiben doch auch so?

Absolut, das ist deren gutes Recht. info-parkour will diese Formulierung ja auch nicht verbieten, stellt sie aber in Frage. Die Basis demokratischer Diskussionskultur.

Wenn Studenten an der HAW studieren oder in der Mensa essen wollen, werden sie ja auch nicht dazu verpflichtet nur noch von “Studierenden” zu sprechen.

Die einzige Forderung von info-parkour an den AStA der HAW zur Weiterfinanzierung war das Recht auf freie Meinungsäußerung, die dem Magazin so aber nicht gewährt würde.

“Der AStA kann dem info-parkour die Pressefreiheit nur gewähren, sofern auch deren Arbeit [info-parkour] satzungskonform ist.” (aus der offiziellen Stellungnahme des AStA-Vorstandes, Tilmy Alazar)

Weder obliegt das Gewähren der Pressefreiheit dem AStA, noch steht die AStA-Satzung über der Pressefreiheit.

info-parkour verzichtet aufgrund dieser Entscheidung des AStA auf eine Weiterfinanzierung, um den AStA vor einem möglichen Vorwurf wegen Zensur zu schützen.

Ihr wurdet doch schon über ein Jahr vom AStA finanziert, warum fällt denen das jetzt erst auf?

Ja, da ist sie wieder, die Sache mit den Studien. Plötzlich tauchte eine Studie auf und wir sollten uns verpflichten diese neue Formulierung einzuhalten.

Jedes einzelne Teammitglied hat für sich entschieden, dass info-parkour unter solch pressefeindlichen Bedingungen nicht Teil dieses AStA der HAW sein kann.

AStAs und ihre Satzungen kommen und gehen, die Pressefreiheit bleibt.

Und warum macht ihr nicht einfach weiter?

Das haben wir natürlich vor, nur wurden durch den AStA acht HAW-Studenten als Redakteure des Magazins finanziert. Die meisten studentischen Geldbeutel sind dabei auf jeden Euro angewiesen, der nun anderweitig verdient werden muss. So wird das Zeitkonto für den info-parkour vorerst geschmälert.

Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage

info-parkour existiert als in der Hochschule verankertes Studenten-Magazin seit 2008 und fühlte sich verpflichtet, die Campuskultur der HAW zu fördern und Studenten die Möglichkeit zu geben, sich frei und unabhängig in allen Bereichen journalistischer Tätigkeiten auszuprobieren und sich weiterzuentwickeln.

Hierbei fand info-parkour als journalistisches Magazin immer wieder Akzeptanz und Unterstützung in der Hochschule direkt und es wurde nie versucht, Einfluss auf den Inhalt oder die Formulierung zu nehmen.

Das Magazin musste sich in den vergangenen vier Jahren häufiger Herausforderungen finanzieller sowie organisatorischer Natur stellen, aus denen info-parkour immer gestärkt hervorging. Dass der AStA (bestehend aus Studenten!) nun maßgeblich an der vorübergehenden Einstellung des Magazins mit verantwortlich ist, entbehrt einer gewissen Ironie nicht.

info-parkour bedankt sich beim AStA der HAW für die zurückliegende Zusammenarbeit und finanzielle Unterstützung und wünscht deren Mannschaft (und Frauschaft, natürlich) darüber hinaus mehr Mut im Umgang mit Campuskultur, die als allererstes auf Meinungsfreiheit und deren ungehinderter Äußerung basiert.

Das info-parkour-Team bedankt sich außerdem bei vielen ehemaligen Teammitgliedern, Autoren, Unterstützern aus der Hochschule und dem Stadtteil St. Georg.

Katharina Bildredaktion
Anatzki Bildredaktion
Marc Stellenbörse
Beham Stellenbörse
Christine Chefredaktion
Gärtner Chefredaktion
Redaktion
Katja Harms Redaktion
Darja Redaktion
Hentschel Redaktion
Elmas Redaktion
Pekdemir Redaktion
Waldemar Videoredaktion
Schmidt Videoredaktion
Patrick Herausgeber
Schulz Herausgeber
redaktion[at]info-parkour.de
Info-Parkour
Archiv
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[*/quote*]

Aus Solidarität mit den Redakteuren von Info-Parkour habe ich ihren Text als mahnende Erinnerung übernommen.

Blattkultur

Tuesday, August 30th, 2011

Bei meiner morgendlichen Visite im WWW finde ich diese Kulturkritik:

http://blog.esowatch.com/?p=3971

,aus der ein Abschnitt lautet:

[*quote*]
Liebe Frau Thorbrietz, werter Herr Schröder, der Artikel ist schon schlimm genug, wie er so dick und gemütlich auf der falschen Seite liegt. Aber dass Sie beide sich auch noch als unparteiische Vermittler, als gewissenhafte Interpreten der wissenschaftlichen Debatte darstellen wollen und dazu kein Mittel Ihrer professionellen Rhetorik scheuen, das ist, mit Verlaub: DAS LETZTE.
[*/quote*]

Das Letzte zum Tagesbeginn ist ein leider nicht ungewöhnlicher Anfang. Vielleicht sollte dieser oder jener Herausgeber sich doch gelegentlich auch sein eigenes Heft ansehen. Bei GEO, so kann ich hier

http://transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=7204

lesen, hieß es einmal “Mein GEO hat versagt.”

Manchen Journalisten kann man bescheinigen, daß sie sehr gründlich sind.
Auch darin, ein Magazin endgültig zu vermasseln…

Wobei, das sollte ebenfalls gesagt sein, auch ein Weltmarktführer mit 730 Mio US-Dollar Jahresumsatz, Dinge tut, die erstaunlich sind: So verdünnt er etwas, das es gar nicht gibt, und verkauft das dann als WIRKSAME Medizin.

Wohlgemerkt: als WIRKSAME MEDIZIN!

Quellen zu diesen Angaben gibt es hier verlinkt:

http://transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=7197

Ink and paper do not a magazine make.

Michael Moore’s neuer Dokumentarfilm über den 2. Weltkrieg

Wednesday, June 22nd, 2011

Michael Moore hat einen neuen Dokumentarfilm über den 2. Weltkrieg. Nicht der Michael Moore von heute, sondern der Michael Moore von heute als der Michael Moore von damals.

http://www.youtube.com/watch?v=10bzrfSO62o

Der Dokumentarfilm über den Dokumentarfilm:

Web-Design hat die Grenze zum Verbrechen an der Allgemeinheit schon lange überschritten.

Friday, June 3rd, 2011

Wenn die Surfer die Gelegenheit hätten, den Web-Designern nachts im Park zu begegnen, sähe das Web besser aus.

Abschreibungen

Monday, May 16th, 2011

Daß jemand nicht abschreibt, macht ihn nicht automatisch zu einem guten Doktor. Auch viele Professoren kann man, gemessen an wissenschaftlichen Standards, als gesellschaftlichen Totalverlust abschreiben.

In seinem Buch “Die Zunft” schreibt Siegfried Bär über “das Wesen der Universität, dargestellt an der Geschichte des Professorwerdens und des professoralen Liebeslebens”.

Wissenschaft und Universität sind nicht dasselbe.

30 Silberlinge Reklamegeld

Friday, April 8th, 2011

Die Selbstverständlichkeit, mit der Werbeeinnahmen als tragendes Element der Zeitungsproduktion betrachtet und verteidigt werden, zeigt, wie unterspült das Denkgebäude ist, in dem die Journalisten eingesperrt sind.

Ist denn nicht der redaktionelle Inhalt einer Zeitung das, was der Leser will und wofür er bezahlt?

Die Leser werden mit Gewalt konditioniert, eine mit Reklame vollgestopfte Farbenwüste hinzunehmen, in der zwischendrin einzelne Informationsbrocken sind, manche sogar wahr und brauchbar.

Was wäre, wenn die Leser wieder echte Informationen PUR bekämen und dafür sogar bezahlen würden?

Eine Revolution. Aber wirklich so undenkbar?

Sebastan Heiser: Die Rechtslage bei verdeckten Recherchen

Monday, April 4th, 2011

Sebastian Heiser hat einen Artikel über Schleichwerbung geschrieben:
http://www.taz.de/1/leben/taz-medienkongress-2011/artikel/1/einfluss-zu-verkaufen/
, den man unbedingt lesen sollte. Noch viel schöner als der Artikel ist sein Hintergrundbericht über die Recherchen:
http://blogs.taz.de/rechercheblog/2011/04/01/die-schleichwerbe-recherche/

Den sollte man erst recht lesen. Der Bericht besteht aus mehreren Teilen. Einen davon darf ich dank der freundlichen Erlaubnis von Sebastian Heiser hier wiedergeben: “Die Rechtslage bei verdeckten Recherchen”.

Es ist mir ein ausgesprochenes Vergnügen. Man genieße jedes Wort.

http://blogs.taz.de/rechercheblog/2011/04/01/die-rechtslage-bei-verdeckten-recherchen/
[*QUOTE*]
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Die Rechtslage bei verdeckten Recherchen

Von Sebastian Heiser am 01.04.2011

Es gibt kein Gesetz, das Journalisten verbietet, verdeckt zu recherchieren. Im Gegenteil: Journalisten können sich auch dann, wenn sie sich bei der Recherche nicht als Journalist zu erkennen geben, bei der Veröffentlichung auf das Grundrecht der Pressefreiheit berufen. Journalisten dürfen sogar dann ihren Artikel veröffentlichen, wenn sie bei einer verdeckten Recherche die Rechte anderer Personen oder von Unternehmen tangiert haben. Bei der Frage, ob die Veröffentlichung zulässig ist, kommt es darauf an, was stärker ins Gewicht fällt: Das Grundrecht der Pressefreiheit oder der Eingriff in die Rechte Dritter während der Recherche? Die Abwägung findet dabei anhand des konkreten Einzelfalles ab. Es kommt also darauf an, wie tief der Eingriff im Einzelfall ist und wie stark ist das Informationsinteresse der Öffentlichkeit an den verdeckt recherchierten Fakten ist. Sprich: Je größer der Skandal, desto eher ist die Veröffentlichung zulässig.

In der Praxis wird die verdeckte Recherche häufig angewandt. Viele Politik-Magazine im Fernsehen kommen ohne einen Beitrag mit versteckter Kamera nicht aus. Auch Zeitungsjournalisten ziehen immer wieder undercover los. Ich war vor dieser Recherche zweimal als Journalist verdeckt unterwegs: Auf der Spur von Schuldnerberatern für das ZDF-Verbrauchermagazin Wiso [1] und um für die Berlin-Redaktion der taz zu testen, ob Vermieter bei der Wohnungsbesichtigung wie vorgeschrieben den Energieausweis vorzeigen. [2] Beim Netzwerk Recherche gibt es eine Sammlung einiger verdeckter Recherchen. [3]

Sogar in Unterhaltungsbereiche, bei denen ein ernsthaftes Informationsinteresse der Öffentlichkeit oft nicht gegeben ist, dringt die verdeckte Recherche vor. Dazu zähle etwa Formate, die nach dem Vorbild der Sendung “Verstehen Sie Spaß…?” arbeiten. In den letzten Jahren kommt es auch zunehmend vor, dass Mitarbeiter von Radiosendern bei Prominenten anrufen, sich als ein anderer Prominenter ausgeben und das mitgeschnittene Gespräch dann senden.

Es gibt unzählige Urteile, die sich mit der Veröffentlichung von verdeckt recherchierten Informationen beschäftigen. Besonders interessant für meine Recherche war das Urteil des Oberlandesgerichts München im Fall der Schleichwerbung im Marienhof, die Volker Lilienthal vom Fachdienst “epd medien” aufgedeckt hatte. Die taz hat seine Recherchemethode auch deshalb eins zu eins kopiert, um juristisch auf der sicheren Seite zu sein. Lilienthal hatte sich als Mitarbeiter einer Unternehmensberatung ausgegeben und ein Termin mit einer Agentur vereinbart, die mit der Marienhof-Produktionsfirma Bavaria Film zusammenarbeitete. Bei dem Treffen wollte er Schleichwerbung für Schuhe in der Sendung unterbringen. Lilienthal nahm dabei eine weitere Person als Zeugen mit, um die Inhalte aus dem Gespräch belegen zu können. Auch bei der taz-Recherche gingen wir immer zu zweit zu den Terminen.

Das Gerichtsverfahren, das die Agentur anstrengte, gewann Lilienthal auf ganzer Linie. Das Oberlandesgericht München wies die Klage des Unternehmens ab, das unter anderem Schadensersatz verlangt hatte. Das wies das Gericht unter Hinweis auf das Grundrecht der Pressefreiheit ab, die in Artikel 5 Absatz 1 garantiert wird. Die Schadensersatzpflicht, die sich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch ergibt, müsse “im Lichte des Art. 5 Abs. 1 GG ausgelegt und angewandt werden”, heißt es in dem Urteil. “Im Rahmen der dabei vorzunehmenden Abwägung der sich gegenüberstehenden widerstreitigen Interessen muss das Abwägungsergebnis zu Lasten der Klägerin ausfallen.” Die Weitergabe interner Unterlage durch den Journalisten unterliege “im konkreten Fall dem Schutz der Meinungs- und Pressefreiheit nach Art. 5 Abs. 1 des Grundgesetzes.”

Das Gericht urteilte, “dass die genannten Geschäftspraktiken anders als durch eine verdeckte Recherche, die nach presseethischen Standards ausnahmsweise zulässig sein kann, nicht aufgedeckt werden können. Der Beklagte hat im vorliegenden Fall keine andere Möglichkeit, als sich einer verdeckten Recherche zu bedienen, um an die Informationen zu gelangen, die ihn überhaupt erst in die Lage versetzen, den Schleichwerbungsvorwurf gegenüber der Klägerin journalistisch relevant und gefestigt zu verifizieren. Unter diesen Umständen muss im konkreten Fall die Täuschung des Beklagten gegenüber der Klägerin auch vor dem Hintergrund, dass sich die Recherche des Beklagten gegebenenfalls nachteilig auf das Unternehmen der Klägerin auswirken kann, als rechtmäßig erachtet werden.”

Das Gericht erlaubte Lilienthal auch die Weitergabe der Unterlagen, in denen das Unternehmen ihm Schleichwerbung angeboten hatte. Das Gericht stellte zunächst fest: Schleichwerbung stelle “einen Verstoß gegen § 1 UWG dar. Damit sind auch Angebote, die der Verwirklichung der Schleichwerbung dienen und sie ermöglichen sollen, mit dem Makel der Sittenwidrigkeit behaftet, auch wenn sie für sich gesehen keine Schleichwerbung darstellen können.” Das Gericht verwies zusätzlich darauf, dass Schleichwerbung auch ein Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht (Artikel 2 Absatz 1 Grundgesetz) der Medienkonsumenten ist (denn auch die haben ein Recht darauf, nicht getäuscht zu werden). Das bedeutet für die Unterlagen, mit denen das Unternehmen Schleichwerbung gegenüber Lilienthal anbot: “Wie oben ausgeführt, sind die in den Anlagen K 5 und K 8 niedergelegten Erkenntnisse inhaltlich gesehen kein schützenswertes Betriebsgeheimnis. Eine Vereinbarung über ihre Vertraulichkeit ist nichtig. Der Klägerin ist es daher verwehrt, sich auf ein solches Betriebsgeheimnis, so überhaupt eines gegeben sein sollte, zu berufen.” Aus Sicht des Gerichts bestehe “kein schützenswertes Interesse der Klägerin, welches die Interessen des Beklagten an der Aufklärung von Missständen im Zusammenhang mit dem Angebot von Schleichwerbung überwiegen könnte”.

Das Gericht erklärte es auch für zulässig, dass Lilienthal eine heimliche Videoaufzeichnung mit Bild und Ton veröffentlicht. Die Kläger hatten sich auf § 201 des Strafgesetzbuches berufen. Dort heißt es: “Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer unbefugt das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt oder eine so hergestellte Aufnahme gebraucht oder einem Dritten zugänglich macht.” Das Gericht wies jedoch darauf hin, dass das Gesetz nur die “unbefugte” Aufzeichnung verbietet. Die Befugnis ergebe sich in diesem Fall aber aus Artikel 5 des Grundgesetzes – dem Grundrecht der Pressefreiheit. Die etwas sperrige Originalformulierung im Urteil lautet: “Selbst wenn man im vorliegenden Fall jedoch von einer Verletzung des § 201 StGB oder einen Anspruchsberechtigung der Klägerin ausgehen wollte, muss im Rahmen einer grundrechtskonformen Auslegung vor dem Hintergrund des Art. 5 Abs. 1 GG das Tatbestandsmerkmal ‘unbefugt’ (bzw. je nach dogmatischem Ansatz das Rechtswidrigkeitsmerkmal) im Rahmen einer Abwägung so verstanden werden, dass die vom Beklagten vorgenommene Verwertung oder, falls er die Aufzeichnung selbst vorgenommen haben sollte, deren Aufzeichnung und Verwertung nicht als unbefugt i.S.v. § 201 StGB angesehen werden kann.”

Im Jahr 2005 konnte Lilienthal die Rechercheergebnisse – inklusive der Zitate aus heimlich aufgenommenen Tonbandaufzeichnungen – veröffentlichen. Viele andere Medien zogen nach und berichteten (hier eine Auswahl [4]). Für die Schleichwerbe-Recherche der taz haben wir ausschließlich Verlage ausgewählt, die damals selbst über Lilienthals Rechercheergebnisse berichtet hatten.

Links:
[1] http://www.sebastian-heiser.de/beitraege/?p=128
[2] http://blogs.taz.de/hausblog/2009/04/18/verdeckte-recherche/
[3] http://www.netzwerkrecherche.de/Publikationen/nr-Werkstatt/14-Verdeckte-Recherche/
[4] http://www.lilienthal-media.de/feedback.html
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[*/QUOTE*]

Herzlichen Dank und Grüße an die taz (http://www.taz.de) und den epd (http://www.epd.de)

Neues vom Sklavenmarkt

Friday, March 25th, 2011

Rechtzeitig zum Wochenende kam heute ein Brief von der Post: ein dünner
Karton mit einem Schreiben, einem Leporello, einem Stempelkissen und – man
staune! – einem Stempel, auf dem auf einem Aufkleber “www.dieredaktion.de”
steht, dessen Text auf dem Stempelgummi jedoch “BEZAHLT” lautet.

Wie die oberste Leeresleitung auf die Idee kommt, MIR einen solchen Brief
zu schicken, und wieso sie glaubt, überhaupt annehmen zu dürfen, daß ich
mit diesem wirren Brief etwas anfangen könnte, ist mir ein Rätsel.

Woher hat sie meine Adresse?

Ist das jetzt eine Rauswurfsendung an jeden erreichbaren Briefkasten?
Wurden – widerrechtlich – die Daten des DENIC zwangsentfremdet, um
Domain-Registrierte als Zielgruppe zu belästigen?

Hat sich die Post AG Daten-DVDs gekauft und per Namensabgleich mit
Suchmaschinentreffern im Internet die Zielfläche ihrer Briefkanonen
positioniert? Interessant ist, daß der Bereich “Brief” hinter der Aktion
steckt. Was haben im Zeitalter der Emails BRIEFE mit Zahlungsverkehr von
Journalisten zu tun?

Wenn der Bereich “Brief” mit dem Stempel zum Ausdruck bringen will, daß
ich künftig Briefe mit diesem Stempel selbst frankieren kann, nun, dagegen
hätte ich nichts einzuwenden. Allein, mir fehlt der Glaube.

Bleibt immer noch ein Karton mit Stempel, Stempelkissen, Anschreiben und
Leporello.

Die Eroberer der Amerikas hätten ehedem wenigstens noch eine Glasperle für die
Eingeborenen draufgelegt. Aber das hier, das ist ja noch nicht einmal ein
Bestechungsversuch. Es ist schlicht und einfach eine Frechheit und eine
Beleidigung meiner Intelligenz.

Vielleicht sollte ich öffentlich lauter über globale Vernetzung per
lokalen, autonomen Funknetzen für Internet III nachdenken.

Venceremos!

Die Selbstvermarktung der Medien und der Untergang des Landes Japan

Thursday, March 17th, 2011

Es wird bei vielen Gelegenheiten gesagt, in dieser Republik gäbe es
Gebiete, Szenen, Gruppen, Inseln, Nischen – kurz: Ansammlungen von
Menschen -, die mehr oder minder isoliert vom Rest der Welt existieren und
eine wachsende Kluft zwischen diesen Gruppen.

Wenn ausgerechnet auf dem Gebiet der Kommunikation (Journalismus sollte,
zumindest vom urprünglichen Ansatz her, doch irgendwann einmal etwas –
wenn auch sehr entfernt – mit Kommunikation zu gehabt haben) die nach
ihrer Selbstverstandortung und nach der – wenn auch kindlich-naiven
Scheinwelt-geprägten – Weltsichtvermutung der Otto-Normal-Bevölkerung die
die Kommunikationsbranche Seienden sich weitab von Wissen und von
KommunikationsFÄHIGKEIT befinden, kommen da wirklich NIEMANDEM leise
Zweifel, wenn der zweiäugig Blinde dem Tauben Farben erklären will?

Die kafkaesken Verrenkungen der Medien – ihr Vakuum zu verkaufen als
Fakten – rufen bei den Fachleuten nur noch schieres Entsetzen hervor.

Die Kommunikationsbranche schafft sich selbst ab.

A Labertasche does not a Sendung make.

Wozu braucht man Fernsehen?

Saturday, September 4th, 2010

Es ist krass: Da zofft der Mieter eins drunter mit seiner Frau, daß der
Hund sich hinterm Sofa verkriecht, da hat der eins drüber den Fernseher
überlaut, und nebenan tratschen die Leute auf dem Balkon über das ganze
Haus, rauf und runter. Was für eine schöne, heile Welt. Daheim.

Ach, wie gut da das Fernsehen tut: abschalten, erholen, genießen, weg aus
der Tristesse.

Einschalten. Da zofft der Mieter eins drunter mit seiner Frau, daß der
Hund sich hinterm Sofa verkriecht, da hat der eins drüber den Fernseher
überlaut, und nebenan tratschen die Leute auf dem Balkon über das ganze
Haus, rauf und runter. Was für eine schöne, heile Welt.

Wozu braucht man Fernsehen?

Geheimkonferenz der Schnüffler

Monday, August 16th, 2010

Die Schnüffler und ihre Geheimkonferenz, darf man ihnen dabei zusehen? Versuchen wir es, denn zur Zeit brodelt es vor und hinter den Kulissen. Eine ausländische Größtfirma, nennen wir sie “G”, schickt Spähtrupps durch die Straßen und veröffentlicht die Fotos und Kamerafahrten anschließend im WWW.

Die auf diese Weise ausgespähten Bürger sind verständlicherweise wenig begeistert, manche laufen sogar Sturm. Die Schnüffler sehen das mit Sorge, ist das Webangebot von “G”, der international größten Ausspähungsfirma, doch eines ihrer wichtigsten Werkzeuge, und das sogar gratis.

Dürfen wir annehmen, daß die Schnüffler “G” kritisieren? Werden sie die Position der Bürger vertreten?

Die Bürger werden es nicht erfahren: nicht sehen, nicht hören, nicht lesen. Die einen begreifen die Situation nicht und die anderen frönen ihrem Hobby, dem Schnüffeln.

Wie schön, wenn auf die gleiche Weise Steuern abgeschafft werden könnten oder Politiker zur Wahrheit erzogen. Doch beides bleibt ein Traum. Der Fehler liegt im System. Vertrauen ist gut, Schnüffeln ist besser.

Abzocken ist am besten.

Man darf sich nur nicht erwischen lassen…

Das Wüstenblei der Deathparade

Monday, August 2nd, 2010

Nachdem beim Regividerm-Skandal des WDR sich seit Beginn der Affaire im Oktober 2009 der Medienskandal 2.0 offenbart (siehe http://www.kindersprechstunde.at) , erleben wir bei der Loveparade schon wieder ein landesweites Totalversagen der Medien: kritisiert wird nur, wenn es nicht das eigene Nest trifft.

    “Die Loveparade in den Medien
    Ein einziger Blick in die Zukunft hätte doch gezeigt…

    Es ist eine bemerkenswerte Selbstgerechtigkeit, die durch viele Berichte über die Loveparade schimmert. Weitgehend ungestellt bleibt darin die Frage, warum die Journalisten selbst die angeblich unübersehbaren Mängel übersehen hatten.

So kommentiert Stefan Niggemeier die Situation am 1.8.2010 in der FAZ.
http://www.faz.net/s/RubCCB49507459C498F8E6FA9E990486D14/
Doc~E9A34C147432A446B8BE34E4E43B7C974~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Die Kritik an der Deathparade [1] kam in den Kommentarteilen und Foren – auch von Zeitungen -, aber wer liest denn schon DIE EIGENEN Foren und Kommentarteile? Die Redakteure offensichtlich nicht, auch keine freien Journalisten. Oder schwiegen auch sie aus Angst um ihre Brötchen – und taten es damit den Stadtoberen in Duisburg gleich, die sie nun bekritteln?

Bis der Artikel von Stefan Niggemeier erschien, dauerte es 5 Tage. Schon wieder war das Netz schneller:
26.7.2010:
“20 Tote + 510 Verletzte = Totalversagen des Journalismus in Deutschland”
http://transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=6385

Eine der Fragen, die immer wichtiger wird: “Wozu noch Zeitungen?”
(http://ariplex.com/folia/archives/72.htm)

Wird Guano der Dünger der Redaktionsgummibäume?

-30-

Wozu noch Zeitungen?

Friday, July 23rd, 2010

In der Süddeutschen Zeitung gibt es eine Serie: “Wozu noch Journalismus?” Am 19.07.2010 schreibt Heribert Prantl dort: “Eine gute digitale Zeitung macht das, was eine gute klassische Zeitung auch macht” [1]

Tatsache ist: Es gibt keine digitale Zeitung. Eine digitale Zeitung gibt es erst dann, wenn es auf digitalem Papier (also dünner, elektrisch färbbarer Folie) eine ganze Zeitungsseite gibt. Das ist noch lange nicht der Fall.

Tatsache ist: Papier ist Papier und Papier wird bedruckt. Papier kann gelagert werden, man kann es in Bibliotheken aufbewahren. Papier ist dauerhaft. Papier ist statisch und Papier schweigt.

Tatsache ist: Im Internet kann sich jede Information in jeder Sekunde ändern. Alles ist flüchtig, nichts ist von Bestand, was heute hier ist, ist morgen woanders, und dann – weg, als hätte es nie existiert.

Tatsache ist: Im Internet kommen und gehen die Leser wie Heuschrecken, im Moment sind sie hier und im nächsten Moment ganz woanders. Sie sind vogelfrei, nichts hält sie. Sie sind opportunistisch, sie sind parasitisch – sie wollen alles umsonst.

Wo, bitte, ist da noch der Journalist? Schreiben kann nahezu jeder. Die Leute schreiben viel, sie schreiben breit, sie klopfen die Tastatur in Fransen.
Aber sagen sie etwas?

Die Zeitungen haben ein Paket verkauft aus einem Haufen Artikel, garniert mit Werbung. Welche Artikel wie oft – falls überhaupt – gelesen wurden, hat nicht interessiert. Das Paket wurde verkauft – und bezahlt, einzeln oder im Abonnement.

Im Internet bricht die Technik diese Pakete auf, jeder Artikel existiert für sich, wird möglicherweise in mehrere Teile zerbrochen, damit eine Ladung Reklame mitverfrachtet werden kann.

Die Reklame ist die Nutzfracht, der Artikel nur das Transportmedium.
So wird auch bezahlt, nicht vom Leser, sondern den Reklamebuchern

Wo, bitte, bleibt da noch der Journalist? Schreiben kann nahezu jeder.
Werbeeinblendungen in Web-Seiten einfügen kann auch jeder.

Wer braucht heute noch Verleger? DAS ist die Frage. Und welcher Verleger braucht heute noch bezahlte Journalisten? Das ist die andere Frage.

Die Frage ist nicht: “Wozu noch Journalismus?”, sondern “Wie und wovon kann ein Journalist leben?” Etwa wie früher, als man Schreib- und Hungerleider war und froh sein konnte, bei einem Adligen als intellektueller Hofnarr, Bücherabstauber, Bibliothekar oder Sprachlehrer GNÄDIGERWEISE geduldet und verköstigt zu werden?

Von diesen Gnadenplätzen gab es wenige, und gedruckt wurde noch weniger.

Heute schreiben die Leute rund um die Uhr. Sie sitzen auf ihrem Felsen und schnattern ohne Unterlaß. Sie sind vogelfrei…

(http://www.youtube-nocookie.com/watch?v=50YCRv4Io9I&feature=related )

[1]
http://www.sueddeutsche.de/medien/serie-wozu-noch-journalismus-professioneller-edelblogger-1.967940

-30-